Ich rieche einen Hund, bevor ich ihn anfasse. Das klingt unhöflich, ist aber schlicht Routine: Wenn jemand zur Tür hereinkommt, ist der Geruch oft die erste Information, die ich bekomme – manchmal noch bevor ich sehe, wie das Fell aussieht.
Und das Wichtigste vorweg: Ein Hund, der streng riecht, ist kein schmutziger Hund. In den allermeisten Fällen ist der Geruch ein Hinweis auf etwas Körperliches. Man muss nur wissen, wonach es riecht – denn jede Ursache hat ihren eigenen Geruch.

Fischig, vom Hinterteil her
Dieser Geruch ist unverwechselbar, und er hat fast immer dieselbe Ursache: verstopfte oder entzündete Analdrüsen. Genau genommen sind es zwei kleine Taschen links und rechts neben dem After – die Analbeutel. Die Drüsen darin bilden ein Sekret, das beim Kotabsatz mit abgegeben wird. Fließt es nicht ab, staut es sich, und dann riecht man es.
Typische Begleiter sind das sogenannte Schlittenfahren – der Hund rutscht mit dem Hinterteil über den Boden –, häufiges Lecken am After, sichtbare Schmerzen, Rötung oder eine Schwellung. Unbehandelt kann sich daraus ein Abszess entwickeln, und der ist dann ein Fall für die Tierarztpraxis.
Streng, hefig oder muffig, von Haut und Pfoten
Wenn der ganze Hund muffig riecht oder einem der Geruch schon von den Pfoten entgegenkommt, liegt die Ursache meist in der Haut: eine Entzündung durch Hefen oder Bakterien, eine Allergie, Parasiten, feuchte Hautfalten oder ein Hotspot.
Schau dann nach den Begleitzeichen: Juckreiz, Rötung, fettiges Fell, Schuppen, nässende Stellen. Kommt eines davon dazu, ist es kein Pflegethema mehr.
Übler Geruch aus den Ohren
Ein Ohr, das riecht, ist fast immer ein entzündeter Gehörgang. Die Hinweise sind deutlich, wenn man darauf achtet: Kopfschütteln, Kratzen, Empfindlichkeit bei Berührung, Rötung oder dunkler Ausfluss.
Genau deshalb schaue ich bei jedem Termin in die Ohren, auch wenn niemand danach gefragt hat. Wie Ohrenpflege richtig geht, steht hier – aber bei einer Entzündung hilft keine Reinigung, sondern nur eine Behandlung.
Fauliger Mundgeruch
Zahnstein, entzündetes Zahnfleisch, ein kranker Zahn, ein Abszess – oder schlicht Futterreste, die zwischen Zähnen und Lefzen festsitzen. Bei starkem oder anhaltendem Mundgeruch sollte eine Tierärztin das Maul anschauen. Das ist keine Sache, die sich auswächst.
Nach Kot, Urin oder Verwesung
Manchmal ist die Erklärung harmlos: Der Hund hat sich in etwas gewälzt, Kot gefressen, hatte Durchfall oder hat sich verschmutzt. Dann hilft ein gründliches Bad.
Es kann aber auch anders sein – entzündete Hautfalten, Inkontinenz, eine Wunde oder ein Abszess riechen ebenfalls in diese Richtung. Wenn der Geruch nach dem Baden wiederkommt, war es nicht der Schlamm von gestern.
Was ein Bad löst – und was nicht
Ein Bad im Salon holt raus, was von außen kommt: Schmutz, altes Hautfett, Reste vom Wälzen, tote Unterwolle, die zwischen den Haaren gammelt. Bei einem Hund, der einfach lange nicht dran war, ist der Unterschied enorm – und hält Wochen.
Was ein Bad nicht kann: eine Entzündung heilen. Wenn Ohren, Haut, Maul oder Analdrüsen die Quelle sind, ist der Hund danach ein paar Tage frischer, und dann ist alles wie vorher. Deshalb sage ich es beim Termin, wenn ich den Verdacht habe, statt nur zu waschen und zu kassieren.
Wann es nicht warten darf
Manches kann bis zum nächsten Termin warten. Das hier nicht. Wenn Du eines dieser Zeichen siehst, geht Dein Hund noch am selben Tag in eine Praxis oder in den Notdienst – auch wenn er sonst munter wirkt:
Dein Hund bekommt schlecht Luft, bricht zusammen, ist auffallend schwach oder erbricht heftig. Das ist immer ein Notfall, unabhängig davon, wie er riecht.
Der Atem riecht süßlich-fruchtig, und Dein Hund ist schwach, trinkt auffällig viel oder muss ständig raus. Diese Kombination weist auf eine Entgleisung des Stoffwechsels hin und wird schnell gefährlich.
Eine Schwellung wird von Stunde zu Stunde größer, oder es tritt eitriger bis blutiger Ausfluss aus.
Neben dem After sitzt eine dicke, pralle Schwellung. Dann ist aus der gestauten Analdrüse ein Abszess geworden, der geöffnet werden muss.
Dein Hund hat erkennbar Schmerzen – er zuckt weg, jault beim Anfassen oder lässt sich am Ohr oder am Hinterteil gar nicht mehr berühren.
Mein Fazit
Wenn Dir auffällt, dass Dein Hund anders riecht als sonst, dann ist das keine Kleinigkeit und kein Grund für ein schlechtes Gewissen – es ist eine Beobachtung, die etwas wert ist. Geh der Sache nach, statt sie zu überdecken. Parfümierte Sprays und Trockenshampoos kaschieren den Geruch für einen Nachmittag und ändern nichts an der Ursache.
Und wenn Du unsicher bist: Sag es mir beim Termin. Ich rieche es ohnehin – aber es hilft, wenn ich weiß, seit wann.
Deine Kitti 🐾
👉 Jetzt Termin vereinbaren – wir schauen gemeinsam nach, wo es herkommt.

